Am Rande des österreichischen Mainstream-Kunstdiskurses: Art Brut und Disability Art während der Corona(virus)-Pandemie





Obwohl der Titel vielleicht anmaßend ist, ist das, was vor Ihnen liegt, keine „klassische“ Recherche- oder Tatsachenforschung über Künstler*innen mit (geistiger oder körperlicher) Behinderung in Österreich während der Corona (virus)-Pandemie: es ist eher ein bescheidener Versuch, ein grobes Bild einer künstlerischen Produktion zu zeichnen, die oft hermetische oder exotische Untertöne hervorruft. Wir haben daher versucht, durch Textbeiträge in Form von Interviews und einem Essay, verschiedene Ebenen des Themas aufzuzeigen, von Sammlerinnen und Künstlerinnen der Art-Brut-Szene, über die Problematisierung von Begrifflichkeiten und Forschungsansätzen im Kontext marginaler Kunst, bis hin zur Strahlkraft von Gugging und ihre Wirkung auf die Institutionsgründung und diese besondere künstlerische Praxis außerhalb Österreichs. Die Veröffentlichung enthält eine umfangreich visuelle Dokumentation, die von österreichischen Künstler*innen zur Verfügung gestellt wurde und ihre Kunstwerke in verschiedenen Medien und unterschiedlichen ästhetischen und konzeptionellen Designs zeigen.

Die Pandemie selbst machte die Kommunikation und den direkten Kontakt mit den meisten Institutionen und relevanten Interessengruppen äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, weshalb wir von der Unterstützung, der reibungslosen Zusammenarbeit und den sehr wertvollen Vorschlägen einer Reihe von Einzelpersonen berührt waren.

Es ist mehr als zwei Jahre her, seit das Coronavirus Teil unseres täglichen Lebens geworden ist und uns dazu zwingt, die bestehenden Lebens- und Funktionsnormen in Frage zu stellen. Unser Leben hat sich so stark verändert (ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht), dass wir sogar begonnen haben, die Zeit als „Leben vor und nach der Pandemie“, „neue Normalität“, „nach der Normalität“ usw. zu bezeichnen. Die Wahrnehmung mit Normalität und Abweichung von unseren alltäglichen konformistischen Trieben zwingt uns, über die gesellschaftlichen Gruppen nachzudenken, die es gewohnt waren, mit Einschränkungen zu leben, bevor das Virus ausbrach. Mit direkten Auswirkungen auf die österreichische Kunstwelt hat die Pandemie somit die Subkulturen verschiedener sozialer, ethnischer und politischer Kategorien erfasst, deren Kunst mehr oder weniger an der Kunstszene des Landes teilnimmt, sie prägt und verändert. Eine dieser Gruppen sind Künstler*innen mit Behinderungen, deren künstlerische Praktiken (ihre Themen, Erzählungen, Produktionsprozesse und Medien) unterscheiden sich weitgehend von der kommerzialisierten, marktgetriebenen Mainstream-Kunst. Wer sind die Künstler*innen mit Behinderung in Österreich und mit welchen Themen beschäftigen sie sich? Was sind sie gewesen, während der Pandemie? Wie hat sich die Pandemie auf ihre Kunst ausgewirkt und welche Themen neu hervorgebracht?

Die Publikation hat experimentellen Charakter. Sie versucht nicht, endgültige Antworten zu geben, sondern Vielfalt im visuellen Bereich der Werke, sowie deren gesellschaftliche Annahme zu skizzieren.

Wir möchten uns hiermit bei allen Teilnehmer*innen, sowie der Stadt Wien Kultur und dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport für die Ermöglichung bedanken.


Beiträge für die Publikation über Art Brut und Disabilty Art während der Coronavirus-Pandemie in Österreich




Es ist mehr als ein Jahr her, seit das Coronavirus ein Teil unseres täglichen Lebens geworden ist, und wir deshalb begonnen haben, die bestehenden Normen des Lebens und Funktionierens in Frage zu stellen. Unser Leben hat sich so stark verändert (ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht), dass sogar neue Zeiträume in Form von Begriffen wie: Leben vor und nach der Pandemie, neue Normalität, Post-Normalität- usw. erschienen sind. Doch nur, indem wir mit unserer Normalität brechen und uns von unserem alltäglichen Konformismus abbringen, werden wir gefordet und auch ermutigt, über die verschiedenen Gruppen der Gesellschaft nachzudenken, die schon vor dem Virusausbruch gezwungen waren, anders zu leben.

Mit direkten Auswirkungen auf die österreichische Kunstwelt hat die Pandemie somit auch die Subkulturen betroffen, die unterschiedlichen sozialen, ethnischen und politischen Kategorien angehören, deren Kunst die Kunstszene des Landes mehr oder weniger wirksam mitgestaltet, prägt und verändert. Eine dieser kulturellen Gruppen sind KünstlerInnen* mit Behinderungen (in diesem Text wird der Begriff Behinderung für jede Art von geistiger, intellektueller und/oder körperlicher Beeinträchtigung verwendet), deren künstlerische Praxis (ihre Themen, Erzählungen, Produktionsprozesse und Medien) sich stark unterscheiden von der kommodifizierten, marktgetriebenen Mainstream-Kunst. Wer sind die KünstlerInnen*mit Behinderung in Österreich und mit welchen Themen beschäftigen sie sich? Was haben sie während der Pandemie geschaffen? Wie hat sich die Pandemie auf ihre Kunst ausgewirkt und neue Themen generiert? Wenn ja, was sind diese Themen? Und wie haben KünstlerInnen* während des Lockdowns mit Isolation und Unsicherheit kämpfen?

Da das Ziel unseres Vereins Kunstentropie darin besteht, verschiedene Randkategorien und gesellschaftliche Phänomene durch Kunst und ihre Medien zu analysieren und zu problematisieren, wird sich das Programm für die nächsten zwei Jahre (2021-2022) auf die Beziehung zwischen Kunst und Behinderung (geistig, mental und körperlich) konzentrieren, sowie ihrer kulturellen Wahrnehmungen in der österreichischen Gesellschaft. Wir wollen unser Programm mit dem zweisprachigen Buch (Deutsch und Englisch) namensAm Rande des österreichischen Mainstream-Kunstdiskurses: Art Brut und Disability Art während der Corona(virus)-Pandemie beginnen, das einerseits Forschungstexte und Essays zu Behinderung und andererseits zur Kunst und Kultur am Rande des österreichischen Mainstream-Diskurses enthält, während der andere Teil des Buches der Präsentation von KünstlerInnen* vorbehalten ist, die sich in ihrer künstlerischen Praxis mit diesem Thema auseinandersetzen.

Aus diesem Anlass, möchten wir alle KünstlerInnen*/AutorInnen* und die sie vertretenden Organisationen/Verbände einladen, sich am Programm zu beteiligen und an der Erstellung der Publikation mitzuwirken. Phase 1. umfasst die Einordnung und Sammlung von Informationen, während Phase 2. der Analyse und Präsentation der Werke der KünstlerInnen*/AutorInnen* gewidmet ist, wobei das zuvor gesetzte Ziel erreicht werden soll: an einem Ort einen transparenten und prägnanten Einblick in die KünstlerInnen* mit Behinderungen in Österreich zu gewinnen.

Die Kriterien für die Dokumentation visueller Beiträge:

I. Der Call ist offen für AutorInnen*, die: 1. deren Arbeit oder deren Kontext sich mit dem Thema Behinderung beschäftigt oder sich darauf bezieht; 2. selber eine Behinderung haben; 3. keine KünstlerInnen* sind, aber Kunst als Therapieform verwenden

II. Kunstwerke müssen während der Pandemie entstanden sein

III. Auf Wunsch kann den Kunstwerken als Ergänzung zu den Bildern eine kurze textliche Beschreibung des (geistig oder körperlich) Zustands des Künstlers während der Entstehung der Werke beigefügt werden

IV. Kunstwerke sollten im .jpg-Format in einer Größe von mindestens A4 (29,7x21cm) mit einer Mindestauflösung von 300 dpi eingereicht werden

V. Kunstwerken sollte eine Kurzbiografie in freier Form (bis zu 500 Zeichen) in deutscher oder englischer Sprache beigefügt werden

Die Kriterien für Textbeiträge:

I. Textbeiträge, ob wissenschaftliche Texte, Essays, Analysen oder Rezensionen, sind willkommen

II. Potenzielle Themen: Sichtbarkeit von Künstler*innen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen im öffentlichen Diskurs und in der österreichischen Kunstwelt/ systematische Erforschung dieser Kunst und ihre institutionelle Präsentation/ Geschichte der Disability Art in Osterreich/ Geschichte der Art Brut in Österreich/ Themen und Medien zeitgenössischer Künstler*innen mit Behinderung in Österreich/ Kunsttherapie und ihre Wirksamkeit bei Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung/ Repräsentation von Kunst - Ausstellungen und andere Repräsentationsformen/ Vergleichende Analyse österreichischer künstlerischer (kultureller) Praxis mit den Praxen anderer Länder/ Kunst und Feminist Disability Theory/ Stigma und Diskriminierung/ Queere und Disability Kultur (Autor*innen können das Thema auch gemäß obigem Rahmen frei erweitern und definieren)

III. Der Text sollte in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein und bis zu 2.000 Wörter umfassen, Schriftart Times New Roman, Schriftgröße 12, Abstand 1,5

IV. Texte sollten von einer Kurzbiografie in freier Form (bis zu 500 Zeichen) in deutscher oder englischer Sprache begleitet werden

Alle Werke sind bis spätestens 20. September 2021 an die E-Mail: kunstentropie@gmail.com mit der Überschrift „Zur Veröffentlichung – Am Rande des österreichischen Mainstream-Kunstdiskurses: Art Brut und Disability Art während der Corona(virus)-Pandemie“ einzureichen. Bei weiteren Fragen zum Open Call können Sie eine E-Mail an: kunstentropie@gmail.com senden und wir werden diese so schnell wie möglich beantwortet.

Die Publikation wird durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport gefördert

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On the Margin of the Austrian Mainstream Art Discourse: Art Brut and Disability Art during the Coronavirus Pandemic





Although perhaps pretentiously titled, what lies before you is not “classic” research or a factual book about artists with (mental or physical) disabilities in Austria during the corona virus pandemic; rather, it is a modest attempt to give a rough picture of an artistic production that often evokes hermetic or exotic overtones. Therefore, we sought to reveal different layers of the topic through textual contributions in the form of interviews and one essay, ranging from women collectors and women artists of the Art Brut scene, through problematising terminology and research approaches in the context of marginal art, to the radiance of Gugging and its impact on the formation of institutions and this particular artistic practice outside of Austria. The publication also features copious visual documentation provided by courtesy of the Austrian artists, showing their works of diverse art media, and different aesthetic and conceptual designs.

The pandemic itself made communication and direct contact with most institutions and relevant actors extremely difficult—impossible even—which is why we were touched by the assistance, smooth cooperation and rather valuable suggestions coming from a number of individuals.

It has been more than two years since the coronavirus became part of our daily life, forcing us to start questioning the existing norms of life and functioning. Our lives have changed to such an extent (whether we realise it or not) that we have even started perceiving time as “life before and after the pandemic”, “new normal”, “post normal”, and so on. However, breaking with normality and deviating from our everyday conformist urges compels us to think about the social groups that were accustomed to living with limitations even before the virus outbreak.

The pandemic has had a direct impact on the Austrian art world, affecting subcultures from various social, ethnic, and political groups, whose art, to a greater or lesser extent, participates in, shapes, and transforms the country’s art scene. Artists with disabilities are one of those groups, as their artistic practices (themes, narratives, production processes, and media) diverge significantly from the commodified, market-driven mainstream art. Who are the artists with disabilities in Austria and what topics are they concerned with? What have they been creating during the pandemic? How has the pandemic affected their art and has it generated new themes?

The publication’s nature is experimental—it does not seek to provide definitive answers, but wishes to sketch diversity in the visual domain of the works as well as their social reception.

We would like to express our gratitude to all of the participants, as well as the Cultural Department of the City of Vienna and Federal Ministry for Arts, Culture, Civil Service and Sport, for enabling us to bring this publication to fruition.


Contribution to the publication about Art Brut and Disability Art during Coronavirus Pandemic in Austria



It has been more than a year since the coronavirus became part of our daily life, forcing us to start questioning the existing norms of life and its functioning. Our lives have changed to such an extent (whether we are aware of it or not) that we have even started perceiving time as ‘life before and after the pandemic’, ‘new normal’, ‘post normal’, etc. However, breaking with our normality and deviating from everyday conformism urges and, what’s more, encourages us to think about those social groups that were forced to live differently even before the virus outbreak.

Having a direct impact on the Austrian art world, the pandemic has thusly also affected the subcultures belonging to disparate social, ethnic and political categories, whose art, more or less effectively, participates in, shapes and transforms the country’s art scene. One of these cultural groups are artists with disabilities (in this text the term disability is used to refer to any type of mental, intellectual and/or physical impairment), whose artistic practices (their themes, narratives, production processes and media) largely differ from the commodified, market-driven mainstream art. Who are the artists with disabilities in Austria and what topics are they concerned with? What have they been creating during the pandemic? How has the pandemic affected their art and has it generated new themes? If yes, what are they? How did they struggle with isolation and uncertainty during the lockdown?

Since the aim of our association Kunstentropie is to analyse and problematise various marginal social categories and phenomena through art and its media, for the next two years (2021-2022), the program will focus on the relationship between art and disability, as well as on how the Austrian society perceives it. The program will be initiated by publishing of the bilingual book (in German and English language) On the Margin of the Austrian Mainstream Art Discourse: Art Brut and Disability Art during the Coronavirus Pandemic, which will comprise research texts and essays on disability and the art and culture from the margins of the Austrian mainstream discourse, while the other part of the book will be dedicated to the presentation of artists/authors who address this topic within their artistic practices.

On this occasion, we would like to invite all artists / authors and the organisations / associations that represent them, to take part in the program and contribute to creating of the publication, whose phase 1 includes information mapping and collecting, while in phase 2, dedicated to the analysis and presentation of the artists / authors’ works, we seek to accomplish the previously set goal: to have, at one place, a transparent and concise insight into the artists with disabilities in Austria.

The criteria for the documentation of visual contributions:

I. The Call is open to authors: 1. whose work, or its context, is concerned with or relates to disability as a topic; 2. who have a disability themselves, 3. who are not artists but engage in art as a form of therapy

II. Art works are required to have been created during the pandemic

III. If desired, art works can be accompanied by a short textual description of the artist‘s mental or physical state during the creation of the works as a supplement to the images

IV. Art works should be submitted in .jpg format with a size of at least A4 (29.7x21cm) with a minimum resolution of 300 dpi

V. Art works should be accompanied by a free-form short biography (up to 500 characters) in German or English language

The criteria for textual contributions:

I. Textual contributions, in the form of scientific texts, essays, analyses or reviews, are welcome

II. Potential topics to consider: Visibility of artists with disabilities in public discourse and the Austrian art scene / systematic research into this area of art and its institutional presentation / history of disability art in Austria / history of Art Brut in Austria / topics and media in contemporary artistic practice of artists with disabilities in Austria / art therapy and its benefits for people with mental, intellectual and /or physical disabilities / representation of art—exhibitions and other forms of representation / comparative analysis of Austrian artistic (cultural) practices with the practices of other countries / art and feminist disability theory / stigma and discrimination/ queer and disability culture (authors can also freely expand and define the topic according to the framework set above)

III. The text should be written in German or English language and contain up to 2,000 words, Times New Roman font, size 12, spacing 1.5

IV. Texts should be accompanied by a free-form short biography (up to 500 characters) in German or English language

All works must be submitted no later than September 20, 2021 to the e-mail: kunstentropie@gmail.com with the subject “For publication – On the Margin of the Austrian Mainstream Art Discourse: Art Brut and Disability Art during the Coronavirus Pandemic”. If you have any further questions about the Open Call, please send an email to: kunstentropie@gmail.com and we will reply as soon as possible.

The publication is funded by the Cultural Department of the City of Vienna and the Federal Ministry for Arts, Culture, Civil Service and Sport